19:30 – 21:00

Julius von Bismarck

A Racehorse For Christmas, 2017

6

Film Program > Stage // Filmprogramm > Bühne

ENGLISH

Video / Performance

A horse is dressed up in a horse costume. His movements during the invention are photographed and filmed. Due to cultural and historical expectations, viewers will assume that they are watching two costumed men. However, certain movements reveal on closer inspection that a horse, not humans, is under the costume that looks like two men dressed as a horse.

Based on this initial assumption, A Racehorse for Christmas negotiates aspects of perception, observation, expectation and first impressions. What do we recognize about our own perception when our expectations of what we see are suddenly upended? The horse costume plays with contrasts to enable a dissolution of barriers. This process extends beyond a momentary realization; it begins a chain of reactions marked by doubt and surprise. The trick not only thwarts the viewer’s perspective on the supposedly costumed men but also what he expects from them, even causing a reconsideration of the relationship between animals and humans. Viewers are left to confront a new impression that perpetually challenges their expectations

DEUTSCH

Video / Performance

Ein Pferd wird mit einem Pferdekostüm verkleidet. Seine Bewegungen werden dokumentiert, indem die Intervention filmisch und fotografisch festgehalten wird. Der Beobachtende wird durch seine kulturell, historisch und unbewusst bedingte Sehgewohnheit davon ausgehen, dass es sich dabei um zwei verkleidete Menschen handelt. Durch eine spezifische Bewegung im Film wird er auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich bei dem kostümierten Wesen nicht um zwei Menschen handelt, die als Pferd verkleidet sind, sondern dass es sich um ein Pferd handelt, das aussieht wie zwei Menschen, die sich als Pferd verkleidet haben.

Ausgehend von dieser Annahme verhandelt das Projekt A Racehorse for Christmas verschiedene Positionen von Wahrnehmung, Beobachtung, Erwartung und erstem Eindruck. Die Ausgangsfrage der Arbeit lautet: Was passiert oder welche Erkenntnis über die eigene Wahrnehmung lässt sich daraus ziehen, wenn ich denke, ich sehe etwas, und in dieser Annahme überraschend getäuscht werde? Die Kostümierung spielt mit Gegensätzen, die eine Grenzüberwindung möglich machen. Dieser Prozess ist nicht als einzelner Moment der Erkenntnis anzusehen, sondern als fortschreitender Gedankengang, der von Zweifel und Überraschung gekennzeichnet ist. Das Spiel mit der Verkleidung verändert die Sichtweise der Betrachtenden zum einen auf die (vorgeblich verkleideten) Menschen und zum anderen auf das, was wir von ihnen erwarten. Auch die Beziehung zwischen Tier und Mensch wird neu reflektiert. Die Arbeit hinterlässt beim Betrachtenden einen neuen Seheindruck, der seine Erwartungshaltung immer wieder aufs Neue herausfordert.

Photos
1. Filmstill
2. David von Becker